Was die Schülerförderung bewirken kann
Ja, ja, diese Jugend von heute – Anmerkungen von Ludwig Dorner
„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“ Das soll von Aristoteles (*384 v. Chr.) stammen, als Gelehrter und Philosoph bekannt.
Noch schlimmer klingt es auf einem 4.000 Jahre alten Text aus einer Stadt im heutigen Irak. „Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“
Wenn es nach diesen Aussagen gegangen wäre, müsste unsere Welt schon längst untergangen sein. Wir alle wissen, dass sie noch besteht, und dass auch die Jugend dazu beiträgt. Ich weiß, dass es viele Beispiele anzuführen gäbe: Jugendliche in Sport- und Musikvereinen, bei Pfadfindern und Ministranten, politischen Parteien und bei vielem mehr, wo sie Gutes tun.
Nun folgt ein ganz konkretes Beispiel aus dem Raum Ehingen. Hier gibt es seit weit über zwei Jahrzehnten den Freundeskreis für Migranten. Seine Aufgaben sind vielfältig, zum Beispiel Besuchen und Begleiten von Asylbewerbern und Flüchtlingen, an Floh- und Büchermärkten teilnehmen (Erlöse für die Unterstützungsarbeit), Gebrauchtmöbelmarkt für Jedermann (!), Förderung von Schwimmunterricht für Kinder usw.
Eines der wichtigsten Projekte ist die Unterstützung schulpflichtiger Kinder und Jugendlicher ohne Rücksicht auf deren Herkunft, Religion, Staatsangehörigkeit oder Dauer ihres Lebens in Deutschland. In Kleingruppen und oft auch im Einzelunterricht werden Schülerinnen und Schüler beim Lernen gefördert. Manche kommen von Montag bis Freitag (außer Donnerstag jeden Nachmittag), andere unterschiedlich oft in der Woche. Die Lernorte sind derzeit die Ehinger Längenfeldschule, die Ehinger Grundschule im Alten Konvikt sowie insbesondere die „Oberschaffnei“, das Ehinger Bürgerhaus gleich beim Rathaus. Als Lehrkräfte wirken ehrenamtlich und ohne jede Bezahlung etliche Erwachsene, jüngere bis zu Senioren. Ein großer Teil der Lehrkräfte setzt sich jedoch aus Jugendlichen zusammen, die selber noch zur Schule gehen. Je nach ihren Wünschen und Fähigkeiten helfen sie allwöchentlich ihren „Schützlingen“ und tun das meist mit großem Eifer und Einsatz. Da der Freundeskreis nicht gewerblich ist, greift auch der gesetzliche Mindestlohn nicht: Die jungen Lehrkräfte erhalten ein bescheidenes Honorar von 7 Euro je abgerechneter Förderstunde.
Im Schuljahr 2024/25 unterrichteten insgesamt 64 Lehrkräfte (zumeist Jugendliche) in 3039 Stunden, davon unentgeltlich 1085 Std., insgesamt 68 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 3 bis 10. Die jugendlichen Lehrkräfte ihrerseits besuchen die Realschule, das Gymnasium oder eine der beruflichen Ehinger Schulen einschließlich beruflicher Gymnasien. Ihre Gründe sind oft: Sie haben in früheren Jahren selber vom Förderunterricht profitiert und wollen nun etwas zurückgeben. Die betreuenden Erwachsenen aus dem Freundeskreis für Migranten stellen immer wieder erfreut (und zuweilen heimlich gerührt) fest, wie mit wie viel Hingabe, Geduld und Können die jungen Lehrkräfte gewissenhaft ihre Arbeit tun.
Es sind nur ganz wenige, von denen man sich vorzeitig trennen musste, weil sie entweder unzuverlässig kamen, hauptsächlich am Handy rummachten oder eigene Schulaufgaben erledigten — statt sich um ihre „Schüler“ zu kümmern.
Es kommt andererseits immer wieder vor, dass ehemalige Schüler-Lehrkräfte, die jetzt auswärts studieren, sich in den Semesterferien melden und vorübergehend wieder mitwirken wollen.
Reich wird davon keiner, aber ein reicher Werden an Erfahrung und persönlicher Reife kann man häufig sehr wohl beobachten. Schön ist, dass viele der jugendlichen Lehrkräfte selber eine Migrationsgeschichte haben und jetzt oft gute und sehr gute Zeugnisse vorzeigen können, egal wie „fremdländisch“ der Name auch zuweilen klingen mag.
Das können die verantwortlichen Erwachsenen aus dem Freundeskreis, die teils von Anfang an dabei oder gar Mitbegründer waren, nur wertschätzen.
Es muss uns um die Jugend und die Zukunft gar nicht so bange sein! Da dürfen sich gerne auch antike Gelehrte mal irren …
Quelle: Mitteilungsblatt der Gemeinde Griesingen (13.11.2025)













