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Vorbildlich integrierte Familie soll nach Algerien abgeschoben werden

Gäbe es in Deutschland ein Einwanderungsgesetz und die Möglichkeit des Spurwechsels aus dem Asylverfahren in ein Einwanderungsverfahren für sehr gut integrierte Personen, die selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können, dann gäbe es für Familie Abdellah aus Ehingen eine gute Perspektive.

Die Familie hält sich seit Juli 2011 in Deutschland auf, d.h. seit beinahe sieben Jahren. Ilies geht problemlos in die fünfte Klasse Gymnasium, das ältere der beiden in Ehingen geborenen Mädchen soll im Herbst in die Schule gehen. Der Vater hat bis Juli 2017 in einer Bäckerei gearbeitet, anlässlich eines Wechsels der Arbeitsstelle wurde ihm die Arbeitserlaubnis nicht erneuert. Er hat das Angebot einer Lehrstelle in einer Bäckerei.

Die Mutter, Souad Harir spricht sehr gut Deutsch, sie hat ein abgeschlossenes Universitätsstudium in Englisch, spricht fließend Französisch und natürlich ihre Muttersprache Arabisch (Hocharabisch und algerischen Dialekt).

Sie hat uns nicht erst seit 2015 tatkräftig unterstützt und ist stets an allen gebotenen Fortbildungsangeboten interessiert: sie ist interkulturelle Elternmentorin und ehrenamtliche Dolmetscherin.
Die Integration von geflüchteten Personen wäre in Ehingen mit wesentlich mehr Problemen verlaufen, wenn wir nicht auf Personen wie Frau Abdellah-Harir zählen könnten.
Seit 2016 bietet sie im Bürgerhaus Oberschaffnei eine ehrenamtliche Sprechstunde für Eltern an und berät auf Arabisch zum baden-württembergischen Schulsystem.
Man kann sich vorstellen, wie wichtig und hilfreich diese Anlaufstelle für ungezählte geflüchtete Eltern geworden ist.


Hätte sie eine Arbeitserlaubnis, dann wäre sie die ideale Person für das neu geschaffene Integrationsmanagement. So ist sie „nur" als unbezahlte Dolmetscherin und Türöffnerin in die deutsche Gesellschaft tätig. Selbst in der aktuell wirklich äußerst bedrängten persönlichen Situation steht Frau Abdellah-Harir den Integrationsmanagerinnen telefonisch und persönlich bei Gesprächen mit KlientInnen zur Seite. Dieser Einsatz ist sehr bemerkenswert.
Im vergangenen Halbjahr hat Frau Abdellah-Harir einen Deutschkurs besucht und die B2-Prüfung gemacht.

Wir bitten alle Leserinnen und Leser, sich dafür einzusetzen, dass diese Familie, die als Türöffner für so viele andere Menschen tätig ist und die ein gelungenes Bildungsbeispiel darstellt, nicht abgeschoben wird  und uns in Ehingen Wege aufzuzeigen, die einen gesicherten Aufenthalt dieser Familie ermöglichen.

Berichte über die Familie erschienen in der Schwäbischen Zeitung und in der Südwest Presse.

Am Freitag, 13. Juli 2018, drehte das ZDF für die Sendung "heute in Deutschland" im Bürgerhaus Oberschaffnei einen Beitrag mit Souad Abdellah-Harir, in dem auch Mitglieder des Freundeskreises für Migranten zu Wort kamen.

Mittlerweile ist auch eine online Petition eingerichtet worden:

https://www.openpetition.de/petition/online/abschiebung-eines-fuenftklaesslers-mitsamt-seiner-famile

u.helldorff 15.07.2018

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